Leserbrief aus Dakar, Senegal

Geehrter Peter Oertle,
ich erlaube mir, Ihnen kurz zu schreiben, um Ihnen meine Dankbarkeit für Ihren Text über die Angst vor Homosexualität im Bereich Männerfreundschaften auszudrücken.
Ich bin Tscheche (29), lebe und arbeite in Dakar (Senegal). Ich bin als Zwilling geboren worden, mein Bruder ist jedoch zwei Tage später verstorben, was ich erst als Erwachsener erfahren habe. Meinen Vater charakterisiert eine totale Abwesen-heit. Kurz gefasst, viele Gründe, um mich mit der Frage der Männerfreundschaft auseinanderzusetzen, zumal ich sie früher nie erlebt hatte.
Meine Zuneigung zu Männern habe ich immer mit vertriebener Homosexualität erklärt, jedoch stimmte eben der geschlechtliche Aspekt nicht: Ich bin glücklich verheiratet und habe zwei Kinder und an diesem Leben will ich nichts ändern.
Aber eben: «Wohin mit den zärtlichen Energien, die mit Sex nichts zu tun haben?» Wievielmal habe ich davon geträumt, einen Mann zu umarmen, um ihm einfach mitzuteilen, dass ich hier bin. Aber immer hatte ich Angst vor solchen Gefühlen.
Ich bin so der Typ, tiefe Freundschaften zu suchen im Sinne etwa «Der Bürgschaft» von Schiller.
Es hat mir sehr geholfen, zu lesen, dass «Vertrautheit mit dem eigenen Geschlecht die Voraussetzung für eine befriedigende Partnerschaft» sei. Der «homophile Mann» ist ein ausgezeichnetes Konzept! Ich habe Ihren Text gleich mit einem Freund geteilt. Es war sehr erfreulich für mich, mit einem anderen Mann über
Ihre Männergedanken zu reden.

Viel Glück in Ihrer Arbeit,
liebe Grüsse
Karel Lizerot, Dakar

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