Nr. 2/05
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Zwischenruf
Sexuell belästigt
von Peter Oertle
Nackte Beine für den schnellen Flitzer, nackter Rücken für den schnellen Kaffee, nackte Brüste für die schnelle Dusche, nackter Hintern für die schmalen Jeans: Von jeder zweiten Reklamewand flimmert nackte Frauenhaut, die gerade soviel verhüllt, dass mann an das Verhüllte denken MUSS. Wohin das Auge und Ohr sich wendet, alles ist sexualisiert.
Aber soll bloss keiner kommen und behaupten, er fühle sich dadurch belästigt. Das findet mann doch scharf? Was ist mit dem wohl falsch, dass er das nicht tut?
Sich dagegen aufzulehnen hiesse, Amok zu laufen gegen das System gegen das, was heute «normal» ist. Wenn die «Normalität» zum «Terror» wird, dann werden die (Not)-Ausgänge eng, verschlossen oder verstellt.
Was ist daran falsch, wenn ich in meiner Fantasie den String auf dem Plakat ein wenig auf die Seite rücke und mir vorstelle, wie das darunter (her)ausschaut? Nichts es kann dir lediglich passieren, dass du dann zuhause, in der Realität, appetitlos auf das reagierst, was du wirklich siehst.
Was ist daran falsch, sich deshalb völlig abzukapseln und prüde darauf zu reagieren? Nichts es kann einfach passieren, dass du noch ganz ausgestossen wirst und du jeglichen «Anschluss» verpasst.
Was ist daran falsch, ständig erregt in der Gegend herum zu laufen? Nichts es kann einfach passieren, dass du an die Falsche/n gerätst, verzeigt oder gar eingelocht wirst.
Aber Peter, Moment, weshalb werde ich verzeigt, wenn doch alles darauf angelegt ist, dass ich mich errege?
Weil es Gesetz ist.
Weshalb machen denn die Gesetze und halten sich selber nicht daran?
Sie halten sich doch daran. Ich weiss gar nicht, was du hast? Warum reagierst du so erregt? Also wirklich, Peter, die laufen doch nicht mit einem ständigen Ständer in den Hosen herum.
Es ist doch nur Werbung. Kannst du denn zwischen Realität und Fiktion nicht mehr unterscheiden?
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